Unternehmergeist vs. Corona-Krise - unsere Mentees reflektieren: März 2020

Das Mentoring der Kontist Stiftung begleitet Selbstständige auf ihrem persönlichen Entwicklungsweg. Aktuell sind Katharina, Larissa, Andrea, Imke und Jan Teil unseres Mentoring-Programms Regelmäßig berichten und reflektieren unsere Mentees über ihre unternehmerische Entwicklung. Heute zum Monat März 2020 und ihrem ganz persönlichen Erleben des Einschlags der Corona-Krise.

"Gefühlt steht alles Kopf"

Katharina Krimmenau

Katharina Krimmenau - Mentoring der Kontist Stiftung

Corona - was heißt das für mein kleines Label? Eigentlich alles. Märkte und Festivals wurden abgesagt, die Geschäfte haben geschlossen und so bleibt mir allein der Onlineverkauf - ausgerechnet die Säule, die bei mir bisher die wenigsten Erträge brachte.

Seit ich aus dem Urlaub wieder zurück in Leipzig bin, steht gefühlt alles Kopf. Ich komme mir vor, als hätte ich beim 800-Meter-Lauf den Startschuss verpasst und während alle anderen Labels mit ihren geschnürten Paketen die Zielgerade der Post durchlaufen, bin ich immer noch dabei Produktfotos zu sortieren und meinen Etsy-Shop zu bestücken. Die Hochphase von "support small businesses" und "buy local" gehört mehr oder weniger auch der Vergangenheit an, die Ostereinkäufe sind getätigt und so stelle ich mir die Frage: Lohnt sich das ganze Verrücktmachen denn noch?

Andererseits bietet es mir gerade die Möglichkeit genau die Dinge anzugehen, zu denen ich es bisher nie geschafft habe und welche schon so lange von einer To-Do-Liste auf die nächste wandern. An sich eine schöne Sache - und ja, ich darf auch nicht vergessen zu erwähnen, dass ich es zum ersten Mal schaffe mit einer halben Stunde Yoga in den Tag zu starten - aber kann ich davon meine Miete bezahlen? Nein. Meine Krankenversicherung? Auch nicht. Seit dem 30.03.2020 ist es nun theoretisch auch Solo-Selbstständigen in Sachsen möglich, den Sofort-Hilfe-Zuschuss des Bundes zu beantragen. Leider ist die Seite völlig überlastet - allein die Registrierung schier unmöglich. Hat man dann doch das Glück letzteres zu realisieren (ja, ich gebe zu, ich habe mir einen Wecker mitten in der Nacht gestellt), sind die Fragen im Antrag voll von schwammigen Formulierungen, welche ich nicht mit ruhigem Gewissen und schon gar nicht ohne vorigem Beratungsgespräch ausfüllen kann und will. Der Fokus des Zuschusses liegt, meines Verständnisses, vor allem auf laufenden Kosten wie Kredite, Mieten und Pachtausgaben von Unternehmen. Etwas, was mein kleines Label nur peripher tangiert.

Meine Fachmieten in den Läden musste ich bereits Anfang des Jahres zahlen. Aktuell besorgt mich vielmehr, dass ich ohne meine Einnahmen die privaten Mietkosten sowie meine Krankenversicherung ab April nicht mehr zahlen kann. Dafür sei nun aber auch eigentlich die Grundsicherung da, so heißt es. Im Internet kursieren Horrorgeschichten zu 60-seitigen Anträgen zu diesem Thema - nicht gerade etwas, was mich mit Motivation füllt. Also warte ich. Warte auf Berichterstattungen von kühnen Bezwinger*innen der Anträge, auf Erklärungen von Experten, auf eine Transformation der Krise ... und dass vielleicht doch noch die ein oder andere Bestellung in meinem Etsy-Shop eingeht.

Für mehr Support: https://www.etsy.com/de/shop/Sankt


"Dennoch zuversichtlich und optimistisch"

Larissa Torremante

larissa torremante

Ich bin immer noch überrascht, mit welcher Geschwindigkeit die Pandemie diesen Monat das Ruder in unser aller Alltag übernommen hat.

Anfang März war Corona in Deutschland zwar bereits in aller Munde und auch im Bewusstsein angekommen und trotzdem lief alles noch weitestgehend normal weiter. Für mich persönlich bedeutet die Krise im Moment vor allem ein Umdenken: Ziele, die ich mir für 2020 vorgenommen hatte, wie zum Beispiel mein Yoga Teacher Training auf Bali im Mai, sind angesichts der aktuellen Situation schlicht nicht mehr umsetzbar. Und da meine Arbeit als Kommunikationsberaterin stark an Veranstaltungen und Konferenzen gebunden ist, fällt auch hier vieles, was bereits fest eingeplant war, ins Wasser.

Dennoch bin ich überzeugt, dass Kommunikation gerade in Krisenzeiten unverzichtbar ist und das macht mich zuversichtlich und auch optimistisch für die kommenden Monate. Trotzdem erlebe ich auch Momente, in denen ich die Krise als bedrückend empfinde. Ich habe dazu in meinem Newsletter einen sehr ehrlichen Text geschrieben. Darüber, wie ich diesen Ausnahmezustand im Moment erlebe. Welche Gedanken ich denke. Und welche Gefühle ich fühle. Den Text könnt ihr hier nachlesen. Dort könnt ihr euch auch gerne in meine Mailingliste eintragen und erhaltet dann jede Woche zum Wochenstart einen Brief von mir.

Bleibt gesund!


ANDARE vs. Corona: Unentschieden.

Andrea Prestel-Galler

Andrea


ANDARE vs. Corona: Unentschieden. Natürlich wirkt sich das Virus auch massiv auf die Beratungsbranche aus. Und gerade Themen wie Kommunikation, Veränderungsmanagement und Coaching werden zuerst gekappt. Auch wenn es eigentlich genau anders rum sein sollte. Denn aktuell ist der digitale Change greifbarer denn je; Kommunikation und Führen im virtuellen Raum ist für viele noch Neuland und und die damit einhergehenden Effizienzverluste riesig.

Aber s' ist wie's ist: Unsere Auftragslage leidet jedoch bisher glücklicherweise nur zu ca. 50% an Corona Begleiterscheinungen. Damit kam es weniger schlimm als gedacht. Mein oberstes Ziel ist es, liquide zu bleiben und das Team halten zu können. Ich freue mich sehr, dass alle bereit sind, hier mit mir am selben Strang zu ziehen. Zugegeben: am Anfang der Krise habe ich selbst weniger unternehmerisch gedacht als ich es von mir gewohnt bin. Habe erstmal alles runter gefahren, was irgendwie an internen operativen Kosten einzusparen war und habe auch Investitionen gestoppt. Diese Anfangsstarre hat sich gelöst und ich konnte zu meiner optimistischen Haltung zurück finden.

Wir denken jetzt-erst-recht, aber in einem wirtschaftlich sinnvollen Rahmen, an die Nach-Corona-Zeit und investieren gezielt in strategische Themen wie z.B. Content Marketing und Free Content Angeboten. Mut macht, dass sich weiterhin neue Projekte und sogar Neukunden am Horizont abzeichnen. Wir sollten Corona nicht einfach nur "überstehen", sondern die Zeit obendrein sinnvoll nutzen, ohne unsere Liquidität zu gefährden.

Lasst uns mutig bleiben! Herzlich, Andrea


"Kreativ werden und neue Einnahmequellen entdecken und nutzen"

Jan Schulze-Siebert

jan schulze siebert


Unvorstellbare Zeiten waren das im vergangenen Monat und werden es in den nächsten Wochen und Monaten noch sein. Die Corona-Krise geht auch an meinem Unternehmen nicht spurlos vorbei. Allerdings würde ich sagen, dass meine Lage aktuell noch nicht so bedrohlich ist, denn erstens meine Prozesse und Angebote sind sehr digital aufgestellt und zweitens meine Fixkosten sind nicht so hoch, dass die aktuellen Einnahmen das tragen können.

Für was habe ich die Zeit der letzten Woche aber konkret genutzt?

Klar im Tagesgeschäft laufen noch ein paar Website-Projekte, die glücklicherweise nicht storniert wurden und wir hier ganz normal weiterarbeiten. Dennoch ist spürbar, dass weniger Anfragen für neue Projekte reinkommen und das auf lange Sicht ebenfalls sehr gefährlich für die Liquidität und Existenz sein kann.

Als Unternehmer muss man daher kreativ werden und neue Einnahmequellen entdecken und nutzen. Die letzten Wochen im März habe ich daher so genutzt, dass ich neue Website-Projekte gestartet habe, die sich mit einem schlüssigen Geschäftsmodell recht schnell monetarisieren lassen könnten. Dabei setze ich auf den Plattform-Ansatz und zwar versuche ich bei dem einen Projekt Tool-interessierte Nutzer mit Software-Tool Anbietern zusammenzubringen, das Projekt nennt sich ToolSpotter. Bei der zweiten Plattform HalloPodcaster geht es darum Experten, Podcaster und werbetreibende Unternehmen an einen Tisch zu bringen.

Wie ich damit Geld verdienen möchte? Beide Plattformen sind so ausgelegt, dass die Hauptfunktionalität kostenlos ist. Wer Premium-Möglichkeiten möchte, kann diese für einen geringen Betrag erhalten. Meine Aufgabe als Betreiber wird es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten sein, auf diese Plattformen Leben zu bekommen, damit sich Premium-Konditionen für die Nutzer auch tatsächlich lohnen.

Du siehst, ich war fleißig und probiere direkt neue Modelle aus, um auch langfristig liquide zu bleiben und mit meinem Team weiter durchzustarten. Ich hoffe meine Sichtweise gibt dir Motivation und Inspiration und du setzt auch fleißig weiterhin etwas um. 


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